Hauterkrankung beim Hund

Die Haut ist das größte Organ des Hundes und zugleich seine wichtigste Immunbarriere gegen Einflüsse von außen. Nicht umsonst erkennt man am Haut- und Fellkleid wie es um den Allgemeinzustand des Tiers steht. Stumpfes Haar und schuppige Haut sind immer ein Anzeichen dafür, dass dem Tier etwas fehlt. Ursachen hierfür sind ganz vielfältig: Krankheit, Stress, Mangelernährung, Allergien – es gibt beim Hund fast nichts, was es beim Menschen nicht auch gibt.

Dermatologie in der Praxis

Die Dermatologie ist trotz dessen eine noch nicht so verbreitete Fachrichtung  in der Tiermedizin. Durch die immer größere Vielfalt der Erkrankung in der heutigen Hundepopulation macht es für einen allgemein ausgebildeten Tierarzt jedoch zunehmend schwer eine spezielle Diagnosen zu stellen, so dass es im Zweifelsfall hilfreich ist einen Experten auf dem jeweiligen Gebiet zu Rat zu ziehen. Kardiologen, Zahnärzte und Ernährungsspezialisten sind dabei genauso wichtig wie ein Tierarzt für Hauterkrankungen.

Die tierischen Dermatologen haben die Möglichkeit ganz spezielle Untersuchungen durchzuführen mit denen die exakte Diagnose möglich wird.

Klassisch ist die Entnahme von Gewebeproben, sogenannte Hautbiopsien. Hierzu werden mit dem Skalpell oberflächlich Hautschichten abgetragen und diese untersucht.

Auf diese Weise können Parasiten und Erreger in der Haut nachgewiesen werden. Auch Hautkrebs kann über eine tiefer gehende Untersuchung der Hautschichten aufgedeckt werden.

Wird ein Hund zum ersten Mal bei einem speziellen Hautarzt vorgestellt, so ist ein wenig mehr Zeit mitzubringen. Meistens dauert eine erste Bestandaufnahme und das Beratungsgespräch mindestens eine Stunde. Um eine gesicherte Diagnose stellen zu können, muss der Tierarzt genau über die Vorgeschichte des Patienten informiert werden.

War der Hund bereits in südlichen Ländern? Sind Allergien bekannt? Wie sehen Alltag, andere Haustiere und das Futter aus? Gibt es Grunderkrankungen wie Diabetes oder andere Stoffwechselstörungen? Neben Futtermittelallergien, welche die dritthäufigste Ursache für Symptome der Haut darstellen, sind noch weitere Auslöser für Hauterkrankungen denkbar:

Hormonhaushalt

Die Hormone des Hundes haben einen Einfluss auf die Qualität von Fell und Haut, was den meisten Tierbesitzern bereits bekannt ist. Hündinnen in der Läufigkeit oder Vierbeiner, die kastriert wurden, überraschen häufig mit einem völlig neuen Look im Fell. Auch krankhafte Zustände im Hormonhaushalt können aus diesem Grund für eine Veränderung der Optik sorgen.  Hunde mit einer Unterfunktion der Schilddrüse leiden oft an dünnem Fell ohne Glanz und haben zudem oftmals sehr trockene Haut.

Bei Tieren, die unter dem Cushing Syndrom leiden, werden die Hormone der Nebenniere vermehrt ausgeschüttet, was dazu führt, dass Hautprobleme auftreten. Es kommt zu Haarausfall, eine Schwarzverfärbung der Haut und häufige Hautinfektionen. Manche Tiere bekommen eine so dünne Haut, dass man die Blutgefäße sehen kann. Werden vermehrt weibliche Hormone gebildet, wie bei einem Hund mit Hodentumor kann das ebenfalls zu einer Veränderung von Haut und Fell führen.

Autoimmunerkrankungen

Wird das Immunsystem fehlgeleitet, kann es Antikörper gegen Organe und Stoffe des eigenen Körpers produzieren. Diese Antikörper können auch gegen die Haut gerichtet sein, so dass es an dieser zu Symptomen kommt. Bekannte Erkrankungen dieser Art sind der Diskoide Lupus erythematodes, auch Collie Nose genannt, der außer beim Collie und Sheltie auch beim Husky, Schäferhund oder Deutsch Kurzhaar auftreten kann. Durch Sonneneinstrahlung  werden die Hautsymptome weiter verstärkt.

Klassisch sind hierfür  zuerst Pigmentverlust und Hautrötung  an der Nase im Übergang zur Schnauze. Die Nase verliert ihre Struktur und erscheint wie blank poliert. Später können Krusten und Geschwüre entstehen. Eine weitere Autoimmunform ist der sogenannte Pemphigus foliaceus, für den krustige Hautveränderungen typisch sind.

Diese erscheinen zuerst im Gesicht und an den Ohren und verteilen sich im Laufe der Zeit über den ganzen Körper verteilt. Autoimmune Hautreaktionen werden immer da vermutet, wo Hautinfektionen vorliegen, die gegenüber Antibiotika resistent sind. Weiterhin klassisch für diese Erkrankungsform ist es, dass die Hunde trotz massiver Symptome an Haut und Fell meist ein gutes Allgemeinbefinden zeigen.

Bakterien

Bakterien sind bei fast allen Hauterkrankungen im Spiel. Sie vermehren sich, wenn die Hundehaut ohnehin schon geschwächt ist, zum Beispiel bei Allergien oder Verletzungen. Wird eine Hautstelle infiziert, kommt es häufig zu sogenannten Hot Spots. Diese beschreiben runde, nässende Stellen ohne Fell und mit deutlich entzündlicher Rötung. Hier muss der Tierarzt die Stellen desinfizieren und dem Tier ein Antibiotikum verabreichen.

Pilze

Hautpilze des Hundes siedeln sich meist im Gesicht oder an den Ohren an.
Aufgrund des noch nicht fertig ausgebildeten Immunsystems sind Pilzinfektionen bei Welpen häufiger als bei ausgewachsenen Hunden. Am häufigsten ist ein Befall mit  Mikorsporum canis, welcher kreisrunde, haarlose Stellen im Fell verursacht. Um den Kreis ist die Haut leicht verdickt. Er ist hoch ansteckend und kann auf den Menschen übergehen.

Die Malassezia-Dermatitis ist eine Hefepilz-Infektion, bei der sich die Pilze auf der Haut rasch und stark vermehren, was zu einer Infektion der Haut führt. Der Befall erfolögt besonders dann, wenn das Immunsystem nicht richtig arbeitet, was  bei Erkrankung, im Alter oder in einer Stresssituation zum Beispiel der Fall sein kann.