Gesundes Futter erkennen

Die artgerechte und gesunde Zusammensetzung, die Auswahl der richtigen Rohstoffe und die Erfüllung der täglichen Bedürfnisse des Hundes sind die Kriterien, die eine qualitativ gute Tiernahrung ausmachen. Der Boom der Futtermittel-Industrie bringt  immer speziellere Produkte für Hunde auf den Markt. Neue Hersteller schießen wie Pilze aus dem Boden und machen den Hundebesitzern den Überblick schwer.

Mittlerweile darf zwischen dem Gaumenschmaus für den Pudel, saftigen Happen für den Berner Sennenhund und einer feinen Schonkost für den Schoßhund gewählt werden. Doch braucht der Hund wirklich solche speziellen Menüs oder wird hier eher das Bedürfnis des Besitzers erfüllt? Der kritische Hundefreund sollte auch immer hinter den klangvollen Namen seines Hundefutters gucken. Er sollte prüfen, was wirklich in den lecker klingenden Menüs steckt und was davon tatsächlich in den Fressnapf des Vierbeiners wandern muss.

Verfolgt man den Grundgedanken seinem Hund eine möglichst artgerechte Nahrung anzubieten, so muss auf seinen Urahnen den Grauwolf geschaut werden. So hat sich unsere Hundepopulation vom Wolf bis hin zu Schoßhündchen, Mops und Dogge rein äußerlich deutlich verändert, doch die Anatomie seiner Verdauung ist die Gleiche geblieben. Das Gebiss des Hundes entspricht auch heute noch dem eines Raubtieres. Die langen Fangzähne und die schmalen Kauflächen des Fleischfressers dienen lediglich als Werkzeug zur Nahrungsaufnahme und zur groben Zerteilung der Fleischbrocken, die dann schnell weiter in die Speiseröhre geschoben werden. Großflächige Mahlzähne wie sie der Pflanzenfresser besitzt, um die Nahrung gründlich zu zermahlen, fehlen. Es ist das Gebiss des Wolfes, der seine Beute greift und verschlingt.

Der Darm des Fleischfressers ist nicht für Getreide gebaut

Vom Magen ausgehend wird die Nahrung portionsweise je nach Energiebedarf an den Darm abgegeben, wo die eigentliche Verdauung und die Aufnahme der Nährstoffe  beginnt. Angeregt wird die Produktion der Verdauungssäfte beim Hund ausschließlich durch Fleisch, was sehr wichtig für das Verständnis einer artgerechten Ernährung ist. Ebenso wichtig ist es, sich  den Aufbau des Darms vor Augen zu führen. Im Verhältnis zur Körperlänge ist der Darm des Hundes beinahe siebenmal so lang. Dies erscheint beeindruckend, ist aber nichts im Vergleich zur Darmlänge eines Pflanzenfressers, die mehr als das Doppelte beträgt. Durch diese unterschiedlichen Dimensionen erklären sich die verschiedenen Ernährungsmechanismen. Der Fleischfresser ist von seiner ganzen Anatomie bereits nicht auf die langwierige Aufspaltung und die Verwertung von hohen Mengen Getreide eingestellt. Er verliert durch die nicht verwertbaren Ballaststoffe viel wertvolle Energie, die für die Erhaltung des Tagesbedarfes benötigt wird.  Andere Verdauungsprozesse werden durch die Kohlenhydrat-Belastung verlangsamt und verschlechtert. Deutlich werden die Unterschiede für die Ernährung auch anhand der abweichenden Verdauungszeiten von Fleisch und Getreide. Fleisch ist innerhalb von 24 Stunden komplett verdaut, während Getreide vier bis fünf Tage im Verdauungstrakt verbleibt. Dementsprechend erklärt sich die Länge des Pflanzenfresser-Darms und sein signifikanter Unterschied zum Hund.

Viel frisches Fleisch

Die basierten Kenntnisse der Anatomie und der Verdauung des Hundes sind Grundlage für die Erstellung einer richtigen und bedarfsdeckenden Ernährung, welche nach dem Vorbild der Natur und der Lebensweise des Wolfes zusammen gestellt sein sollte. Für eine korrekte Nachahmung dieses Ernährungsprinzips muss der Hauptbestandteil jeder gesunden Hundenahrung  Fleisch sein, was durch  pflanzliche Bestandteile wie Kräuter, Gräser, Gemüse und Obst ergänzt wird. Diese pflanzlichen Ballaststoffe dienen einer verbesserten Verdauungsmotorik und der Zufuhr von Mineralstoffen und Vitaminen. Auf diesem Wege erreicht man eine besonders gesunde und ausgewogene Nährstoffversorgung mit einer ausbalancierten Darmflora.

Durch eine größtmögliche Flexibilität in seiner Ernährung sicherte sich der Wolf sein Überleben, so dass auch bei ihm immer wieder ein Ausweichen auf pflanzliche Kost beobachtet werden konnte. Die Teile der pflanzlichen Kost entstammten hierbei hauptsächlich dem Magen-Darm-Trakt der Beutetiere, die zumeist reine Pflanzenfresser waren. Diese sekundäre Aufnahme der pflanzlichen Nahrung machte dem Wolf die Verwertung der vorverdauten Pflanzenteile leichter, da sein Stoffwechsel darauf ausgerichtet ist vorwiegend tierisches Eiweiß zu verdauen. Der Hund ist genau wie der Wolf ein Carni-Ominivorer, was übersetzt die Bezeichnung für einen Fleisch- und Allesfresser ist. Aus diesem Grund darf Getreide nur in einem geringen Umfang in der Hundeernährung auftauchen.

Der Trend der neuen Hundefutter

Die Entwicklung der Futtermittelindustrie hat zum Leid des Hundes einen anderen Weg eingeschlagen. Billiges Füllmaterial, wie minderwertiges Getreide, verdrängt Fleisch und Innereien aus der Hundenahrung. In vielen Fertigfuttern findet der Hundebesitzer einen deutlich erhöhten Getreideanteil und eine verschwindend geringe Fleischmenge. Statt Muskelfleisch oder Innereien werden häufig minderwertige Fleisch- und Geflügelmehle eingesetzt. Diese haben keinerlei Nährwert für den Hund.

Schmackhaft wird dem Vierbeiner das ungesunde Produkt durch reichlich Zucker und künstliche Geschmacksaromen gemacht. Trockenfutter-Pellets werden mit verführerisch duftenden synthetischen Lockstoffen versetzt, so dass kaum ein Hund widerstehen kann. Doch was augenscheinlich gut riecht und schmeckt, ist oftmals nicht gesund. Durch die hohen Zuckermengen werden bei vielen Tieren Stoffwechselerkrankungen ausgelöst. Die bekannteste dieser Erkrankungen ist der Diabetes Mellitus. Immer mehr „Zuckerhunde“ bevölkern die Kleintierpraxen. Eine lebenslange Insulingabe und eine herabgesetzte Lebensqualität des Vierbeiners sind häufig nicht zu verhindern.

Das Etikett des Futtermittels

Doch wie erkenne ich nun, ob das von mir gewählte Produkt von seiner Qualität meinem Hund eine gesunde Ernährung bietet? Als erstes hilft immer ein Blick auf das Etikett. Laut Futtermittelgesetz ist jeder Hersteller dazu verpflichtet gewisse Angabe zu Zusammensetzung und Inhaltsstoffen des Hundefutters zu machen. Die Rohstoffe, welche enthalten sind, werden in absteigender Reihenfolge ihrer Menge entsprechend aufgeführt. Dies heißt konkret, dass die Zutat, die als erste aufgeführt ist, in größter Menge enthalten ist.

Bei einem guten Futter darf somit niemals eine Getreidesorte zu Beginn der Zutatenliste stehen. Den Anfang sollte immer eine Fleischzutat machen. Idealweiser sind in dem Produkt nur Fleischteile einer Sorte verarbeitet. Vermischungen mehrerer Fleischsorten können zu Unverträglichkeiten und Allergien führen.

Weiterhin ist darauf zu achten, dass hochwertiges Muskelfleisch und Innereien verarbeitet wurden und keine Schlachtnebenprodukte enthalten sind. Ein hochwertiges Produkt erkennt der Hundehalter auch daran, dass auf dem Etikett alles offen und verständlich deklariert wird. Künstliche Zusätze, Aromastoffe oder Zucker dürfen selbstverständlich nicht auf der Zutatenliste auftauchen.

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Optik und Geruch

Zusätzlich zur Deklaration hilft auch immer ein genaues Betrachten und Beschnuppern des Hundefutters. Für wild lebende Tiere ist auf der Jagd und bei der Wahl ihrer Beutetiere der optische Eindruck ihrer Nahrung wichtig. Inwiefern Hunde mit ihrem eingeschränkten Farbsehen sich durch die Farbe ihres Futters beeinflussen lassen, ist ungewiss. Eine gewisse Färbung ist demnach nicht ausschlaggebend für eine gute Qualität, sondern vielmehr die Konsistenz des Futters. Erinnert das Menü an eine pürierte Astronautennahrung oder erkennt  man noch frische Fleisch- und Gemüseteile?

Ebenso wichtig ist der Geruch des Produkts, denn dieser beeinflusst den Hund mit seinem fantastischen Riechorgan entscheidend in seinem Fressverhalten. Eine gute Akzeptanz des Futters durch den Hund ist fast genauso wichtig wie seine richtige Zusammensetzung. Frisst der Vierbeiner das Futter nicht, bringen auch die besten Rohstoffe keinen Nutzen. Ein gutes Hundefutter riecht aromatisch und angenehm.

Das sicherste Anzeichen einer guten Qualität des Hundefutters ist am Ende das Tier selber. Ein Tier, das mit hochwertiger Nahrung versorgt wird, zeigt dies nach einer gewissen Zeit auch immer durch sein äußeres Erscheinungsbild. Glänzendes Fell, eine gute Figur und kein Maulgeruch, sowie eine gut funktionierende Verdauung-  ein Produkt, das diesen Test besteht, ist in jedem Fall empfehlenswert.