Zoonose beim Hund, die unsichtbare Gefahr für den Mensch

Der geliebte Hund als übler Krankheitsüberträger? Ansteckungsgefahr Hundekörbchen? Immer neue  Horrorgeschichten über Infektionswege und -quellen versetzen die Hundewelt in Angst und Schrecken. Denn vor allem jetzt zur Reisezeit, in der mit dem Besuch südlicher Länder das Risiko der Ansteckung mit den sogenannten Reisekrankheiten droht, sollte man sich das Infektionsrisiko für sich und seinen Vierbeiner bewusst machen.

Ansteckung über das Haustier

Gewisse Krankheiten können von dem Tier auf den Menschen übertragen werden. Solche Infektionen werden als Zooanthroponosen, kurz Zoonosen bezeichnet. Dieser Begriff setzt sich aus den beiden Wörtern Zoon: das Tier und Anthropos: der Mensch zusammen und stand früher ausschließlich für Tierkrankheiten. Mittlerweile ist er beschreibend für alle vom Tier auf den Menschen übertragbare Infektionen. Viren, Bakterien, Pilze, Einzeller, Würmer oder auch Insekten können hierbei Krankheitsursache sein. Weltweit sind bis heute etwa 200 Zoonosen bekannt. In den letzten Jahren wurde ein Anstieg solcher Erkrankungen verzeichnet, welche vermutlich auf den intensiveren Kontakt zwischen Mensch und Tier im Rahmen der Haustierhaltung zurückzuführen ist. Eine weitere Rolle spielt zudem die zunehmende Zahl der Fernreisen mit Hund. Auf diesen kann sich das Tier mit in Deutschland nicht vorkommenden Krankheiten anstecken, sie in die Heimat importieren und sein Frauchen infizieren.

Zu den wichtigsten Krankheiten, die der Hund auf den Menschen übertragen kann, zählen die Tollwut, der Hundebandwurm, die Giardiose und die Leptospirose.

Tollwut

Die Tollwut ist eine gefürchtete und lebensgefährliche Virusnfektion (Lyssa-Virus), die über Biss- und Kratzverletzungen von infizierten Tieren übertragen wird. Auf den Hund wird die Tollwut über erkrankte Wildtiere, meist Füchse übertragen. Eine großangelegte und ausgeweitete Schluckimpfung der Füchse mit Ködern hat die Tollwut in Deutschland inzwischen ausgerottet. Der letzte Fall der klassischen Tollwut bei einem Fuchs wurde 2006 verzeichnet. Das Risiko eines Hundes sich in Deutschland mit Tollwut zu infizieren ist demnach gering. Doch kann die Krankheit aus anderen Ländern eingeschleppt werden. Illegale Hundeimporte oder von Urlaubern geschmuggelte Straßentiere stellen dabei eine große Gefahr dar. So ist es nach wie vor ratsam sein Tier impfen zu lassen. Die Tollwut-Impfprophylaxe bei Mensch und Tier schützt zuverlässig vor der tödlichen Gefahr. In Deutschland ist diese Impfung für den Hund 3 Jahre gültig und sollte dann unbedingt aufgefrischt werden.

Parasiten

Ein weiteres Zoonose-Risiko für den Menschen sind Wurmbefall und die Übertragungen anderer Parasiten durch den Hund. Allen voran gestellt ist hier der Hundebandwurm. Ein Befall mit diesem kann zu schweren Magen-Darm-Erkrankungen, Durchfällen und nachfolgenden Infektionen führen. Wirksamste Prophylaxe vor einem Befall ist eine regelmäßige Entwurmung des Hundes und die Einhaltung gewisser Hygienemaßnahmen. Ess- und Schlafplätze sollten Exklusivrecht auf beiden Seiten, sowohl für den Hund, als auch für das Herrchen genießen. Und auch wenn man seinen Liebling zum Fressen gerne hat: Küsschen und gegenseitiger Schnutenkontakt sind ein idealer Übertragungsweg für Parasiten und daher besser zu vermeiden!

Giardien

Eine weitere gefährliche und zudem übertragbare Parasiten-Infektion ist die durch Giardia intestinalis hervorgerufene Giardiose des Hundes. Der Genotyp A dieses Einzellers löst auch Erkrankungen beim Menschen aus. Bei den Hunden betrifft sie vor allem Welpen und Jungtiere, sowie Vierbeiner die in großen Gruppen gehalten werden. Folge der Erkrankung sind schwere Durchfälle und Abmagerung des Tieres. Die Therapie dauert lange und hat nur bei konsequenter Durchführung Erfolg. Denn Giardien sind leider äußerst hartnäckig und schwer zu vertreiben. Die medikamentelle Standardtherapie ist die Verabreichung des Entwurmungsmittels Fenbendazol. Zusätzlich zur Medikamentengabe muss die Umgebung des befallenen Tieres penibel gereinigt und desinfiziert werden. Betroffen von dieser Maßnahme sind Liegeplätze, Fressnäpfe, Spielzeug und alle weiteren möglichen Kontaktpunkte des Hundes Aufgrund der schwierigen und langwierigen Therapie der Giardiose ist eine Ansteckung unter allen Umständen zu vermeiden, wobei Hygiene und Sauberkeit die wichtigste Prophylaxe sowohl für den Vier- als auch für den Zweibeiner darstellen.

Leptospirose

Gefürchtete Zoonose und schlimme Hundeerkrankung ist auch die Leptospirose. Die „Stuttgarter Hundeseuche“ wird durch die Bakteriengruppe der Leptospiren verursacht. Der Hund kann sich leicht durch bloßen Schleimhautkontakt über Augen, Nasen oder Maul infizieren. Gefahren sind überall- in der Pfütze aus der beim Gassigang getrunken wird, im Tümpel der zum Baden einlädt oder beim Spielen auf der Hundewiese. Menschen könne sich beim infizierten Tier nicht nur über die Schleimhäute sondern auch über minimale Verletzungen der Haut anstecken. Die Leptospiren befallen die Nieren der erkrankten Tiere und lösen nach etwa zwei Wochen Symptome wie Erbrechen, Fieber, Futterverweigerung und allgemeine Schwäche aus. Im frühen Stadium kann eine Antibiotikagabe helfen. Bei auftretenden Nieren- oder Leberschäden ist diese Therapie jedoch leider häufig ohne Erfolg. Beim Menschen äußert sich die Erkrankung in der ersten Infektionsphase durch grippeähnliche Symptome.

Typisch sind Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen. Häufig werden auch Bindehautentzündung, Waden- und Schienbeinschmerzen beobachtet. Nach 3 bis 7 Tagen schließt sich eine zweite Krankheitsphase an. Diese wird durch im Körper zirkulierende Antikörperkomplexe ausgelöst, welche Gefäße und Weichteile angreifen. Folge ist eine schmerzhafte und durch Fieber geprägte Infektion, die ungefähr 30 Tage anhält. In schweren Fällen kann es auch hier zu irreparablen Leberschäden kommen.


Die richtige Prophylaxe

Die wichtigste Schutzmaßnahme für Mensch und Tier ist die Impfung des Hundes. Diese erfolgt in der 7. Lebenswoche des Welpen gemeinsam mit der Grundimpfung gegen Staupe, Parvovirose, Hepatitis und Zwingerhusten. In der 12. Lebenswoche erfolgt die zweite Immunisierung, die ab dann jährlich aufzufrischen ist.

Eine vom Tier übertragene Krankheit kann somit ein erhebliches Risiko für den Menschen darstellen. Bei all der Liebe und dem Wunsch nach Nähe zu seinem Tier muss man dies stets im Hinterkopf haben. Küssen und gemeinsame Mahlzeiten sind absolut verboten! Eine regelmäßige Entwurmung und die Einhaltung der jährlichen Impfauffrischung gehören zu den wichtigsten Schutzmaßnahmen von Zwei- und Vierbeinern. Wenn man auf seinen Liebling bei Reisen in andere Länder jedoch absolut nicht verzichten möchte, sollte man sich vorher über die dortige Lage der Gesundheitsrisiken und Infektionsprophylaxen informieren. Besteht ein zu hohes Ansteckungsrisiko tut man seinem Vierbeiner manchmal einen größeren Gefallen ihn Zuhause in der Obhut lieber Pflegeltern zu lassen. Schließlich gehen die Gesundheit und das Wohlergehen des Tieres immer vor.